*

„Das ist unsere Antwort auf Gewalt:
      mit größerer Intensität, schöner und hingebungsvoller musizieren als je zuvor.“

Leonard Bernstein

Unsere Zeit, geprägt von Konflikten, deren Aufflammen noch vor fünf Jahren undenkbar erschien, stellt uns vor vielfältige Aufgaben. Der obige Ausspruch von Leonard Bernstein bringt die Möglichkeiten eines Musikers auf den Punkt und begleitet mich schon lange.
Seien Sie – in diesem Sinne – herzlich willkommen auf dieser Internetseite!

aktuelles

Bereits über ein Jahr leben wir mit den Einschränkungen, die uns die Pandemie auferlegt. Dass das Singen unter diesem Aspekt als gefährlich erscheint, ist schwer zu ertragen. Viele schöne Projekte mussten abgesagt werden, für mich u. a. zwei Dirigate von Kantaten aus Bachs Weihnachtsoratorium und ein Kurs beim Sächsischen Chorleitungsseminar in Freiberg. Aufgrund der aktuellen Situation erscheint es fraglich, wann wir zu kultureller Normalität zurückkehren. Dass die Kultur in den Entscheidungen über die coronabedingten Maßnahmen eine absolut nachgeordnete Rolle spielt, belastet mich sehr. Welche Folgen das hat, können wir jetzt noch überhaupt nicht ermessen.

Die für November 2020 geplante Bachakademie in Dnipro/Ukraine musste natürlich zu diesem Zeitpunkt abgesagt werden. Da die (neu zu beantragende) Förderung durch das Auswärtige Amt für 2021 nicht genehmigt wurde, war klar, dass die Akademie auch 2021 nicht stattfinden könnte. Um so mehr waren wir als Organisatoren überrascht, als wir erfuhren, dass die Partner in Dnipro sich mit einer solchen Entscheidung keinesfalls abfinden wollten. Durch eine beispiellose Anstrengung seitens des Deutschen Generalkonsulats und der Musikhochschule Dnipro wurde eine alternative Finanzierung auf die Beine gestellt. Nun planen wir wieder für November 2021 einen Kurs mit der Matthäuspassion und hoffen, dass die Coronapandemie bis dahin kein Hindernis mehr darstellt.

In den letzten Wochen beschäftigte mich erneut das Besetzungsverfahren für das Leipziger Thomaskantorat, bei dem ich im vergangenen Jahr als Mitglied der fünfköpfigen Expertenkommission mitgewirkt hatte. Mitte März – drei Monate nach Abschluss des Verfahrens durch die einstimmige Wahl des Schweizers Andreas Reize durch den Leipziger Stadtrat – erhoben acht Thomaner der Oberklassen ihre Stimme mit dem Vorwurf, der Thomanerchor sei in seiner abweichenden Meinung nicht gehört worden. Tatsächlich geht es bei diesem Einspruch nicht um das „gehört werden“, das in einem sehr klaren, transparenten Verfahren immer wieder stattfand, sondern darum, dass der Thomanerchor selbst den neuen Thomaskantor wählen oder mindestens bei seiner Berufung ein Vetorecht haben sollte. Seit vier Wochen wird darüber in Leipzig, aber auch weit darüber hinaus heftig diskutiert, und man hat noch nicht den Eindruck, dass sich die Wogen glätten. Eine sachliche Information mit ausgewählten Originaldokumenten findet man auf der Internetseite der Neuen Bachgesellschaft:

https://www.neue-bachgesellschaft.de/die-neue-bachgesellschaft-informiert/